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Schon mehrere hundert Meter unterhalb der Untergrenzen der Wolken ist am Wolkenbild erkennbar, dass sich die Thermik in Richtung Westen linienförmig angeordnet hat. Also nicht alle 10 bis 20 Kilometer Gleitstrecke eine Thermiksäule, die es zu treffen gilt, sondern eine kilometerlange Wolkenstraße, die genau auf Kurs liegt und die fortwährendes Steigen verspricht, soweit das Auge reicht. Dieses gleichmäßige Luftmassensteigen gleicht den Höhenverlust des Segelflugzeugs im reinen Gleitflug aus und der Flug ohne Motor wird in praktisch gleichbleibender Flughöhe fortgesetzt.

Das sind die Situationen, in denen das Grinsen des Segelflugpiloten das Cockpit auf gesamter Breite ausfüllt.

Gleichwohl gilt es, nicht die Konzentration zu verlieren. Höhenmesser, Fahrtmesser und Netto-Variometer sind Instrumente, deren Anzeigen zu beachten sind, der Luftraum ist zu beobachten – man ist da oben ja nicht allein - , die Roll-, Gier- und Nickbewegungen des Flugzeugs sind zu interpretieren, vielfältige Aufgaben, die der Pilot verinnerlicht hat, um den elegantesten weil schnellsten Weg am Himmel zu finden. Segelfliegen ist zu einem wesentlichen Teil Bauchsache, aber eben nicht allein!

Der Kestrel gleitet so zwischen 1500 und 1800m über Meereshöhe über das Zwiefaltener Kloster, nördlich vorbei an Riedlingen und Sigmaringen, weiter das obere Donautal hinauf in westliche Richtung bis über Geisingen an der A81. Nur selten muss auf dem Weg bis hierher kreisend Höhe gewonnen werden. An dieser Schlüsselstelle vor der Baar erfolgt an guten Tagen früh im Jahr normalerweise die Entscheidung zum Weiterflug in den Schwarzwald entlang der Wutachschlucht. Nicht so heute, denn die Wolken verdichten sich in Richtung Westen und schirmen die Sonneneinstrahlung auf den Boden ab, was früher oder später zum Absterben der Thermik führt.

Frenzel wendet sein Flugzeug und gleitet die nun bereits bekannten Aufwindreihungen in Richtung Osten wieder zurück, vorbei an Ehingen bis Schemmerhofen kurz vor Laupheim. Hier enden die sichtbaren Wolkenreihungen, die müheloses Vorwärtskommen versprechen. Frenzel wendet erneut und fliegt den gesamten Abschnitt nochmals ab. Etappenweise kann er mit seinem 1972 gebauten „Youngtimer“-Segelflugzeug eine Schnittgeschwindigkeit von bis zu 150 km/h erfliegen. So schnell war er bisher noch nie. Möglich macht das allein die tolle Wetterentwicklung entlang des Südrands der Schwäbischen Alb. Ein solcher Schnitt entspricht der Leistung eines viel moderneren Hochleistungssegelflugzeugs bei gutem Segelflugwetter.